Von frühen Fasnetsbräuchen bis zu den ersten Jahren der Burgnarrenzunft – mit historischen Bildern und Dokumenten.
Aus unserer Chronik
Fasnet in Neufra – von 1734 bis 1962
Von frühen Bräuchen vor der Vereinsgründung bis zu den ersten Jahren der Burgnarrenzunft: historische Berichte, Erinnerungen und Bilder aus der Vereinschronik.
1734
Frühe Spuren der Fasnet
Neufra und Rottweil waren schon früh eng verbunden. Wohlhabende Bürger und Ordenshäuser aus Rottweil besaßen Güter in Neufra. Es ist daher möglich, dass Neufraer Bauern, Mägde und Knechte vor der Fastenzeit an Fasnetsveranstaltungen teilnahmen oder selbst welche gestalteten.
Eine Abrechnung der Kirchengemeinde St. Dionysius aus dem Jahr 1734 (Stadtarchiv) erwähnt, dass nach „altem Herkommen“ acht Jahre lang zwölf Gulden für die Weiberzeche am Aschermittwoch erstattet wurden. Die Weiberzeche wird als möglicher Hinweis auf eine Fasnetsveranstaltung verstanden, bei der die Kirchengemeinde einen Zuschuss für Speisen und Getränke im Wirtshaus zahlte.
Maske von Neufra aus dem 19. Jahrhundert
1874–1876
Fasnet im Dorf
Berichte in den Schwarzwälder Bürgerzeitungen belegen Veranstaltungen in den Jahren 1874, 1875 und 1876. Historische Narrenkleider und Holzmasken erzählen von der Fasnet vor der Vereinsgründung.
Zeitungsbericht von 1874Zeitungsbericht von 1875Zeitungsbericht von 1876
Um 1920
Alte Narrenkleider und Holzmasken
Ältere Einwohner berichteten, dass einzelne Narrenkleider, möglicherweise aus Rottweil, im Dorf auftauchten. Manche bestanden aus eingefärbtem Rupfenstoff und setzten sich aus Kittel und Hose zusammen. Farbige Pompons und Borten erinnerten an das Fransenkleidle aus dem nahen Rottweil.
Holzmasken fertigte wohl ein Schnitzer namens Leibold aus Wellendingen – etwa ab 1920 bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Schneidermeister Josef Weisser nähte die Kleider, ohne dafür einen Lohn zu verlangen; dafür durfte er im neuen Kleid mitnarren. Eine Larve kostete etwa zwölf Mark.
Historische Neufraer Narrenkleider
Vor 1939
Närrisches Treiben im Dorf
Insgesamt gab es noch etwa zehn solcher Narrenkleider. Heute befinden sich nach den Aufzeichnungen fünf komplette Kleidle und drei bis vier Holzlarven in Privatbesitz. Zusammen mit Strohbär und Treibern, Domino und weiteren Gruppen führten die Narren über die Fasnet das Regiment im Dorf.
Sie zogen auch in die Bauernhäuser, sagten ihre Sprüche auf und bekamen dafür meist Eier sowie ein Schnäpschen oder Most. Abends wurde die Sammlung – wenn man noch dazu in der Lage war – in einem der Wirtshäuser verspeist.
Krug und Glas – Illustration aus der Chronik
1958
Die Zunft entsteht
Der Zweite Weltkrieg und die folgenden Jahre brachten den kleinen Fasnetsbrauch fast zum Erliegen. Viele Neufraer gingen in die nahe Stadt oder in umliegende Dörfer, wo die Kinder Bonbons erhielten.
Am 23. November 1958 lud Josef Bayerle mit einigen Freunden zu einer Versammlung ins Gasthaus Löwen ein. Ziel war es, wenigstens für die Dorfkinder wieder eine Fasnetsveranstaltung zu ermöglichen. Fast sechzig Männer und Frauen folgten der Einladung. Der Wunsch, einen Verein oder eine Narrenzunft zu gründen, trug Früchte.
Eine frühe Aufnahme aus der Neufraer Fasnet
1959
Die Fasnet lebt wieder auf
Schon die Veranstaltungen der ersten Fasnet nach der Gründung zeigten, dass die Neufraer nur einen Anstoß brauchten. Zunächst ging der Trend noch in Richtung Karneval – mit Wagen, Gruppierungen, Elferrat und einem Prinzenpaar.
1961
Der Burgnarr bekommt sein Häs
Der Ausschuss der Zunft unter dem damaligen Präsidenten Karl Müller war sich einig: Neufra sollte ein eigenes Narrenkleid bekommen, das sich nicht an bereits vorhandene Maskentypen anlehnte. Die Holzäpfelzunft Dunningen stand der jungen Zunft in den Anfängen mit Rat und Tat zur Seite. Die damaligen Elferräte fuhren zum Holzbildhauer Josef Tränkle nach Elzach.
Nach der alten Sage entwarf er einen Burg- oder Hofnarren. Die Larve war längs geteilt: eine Hälfte lachte, die andere weinte – so wie die Tage eines Narren einmal fröhlich und einmal betrübt verlaufen.
Der Entwurf gefiel. Die frühere Handarbeitslehrerin Käthe Gratwohl nähte das erste Narrenkleid, das am Bunten Abend 1961 im Rössle öffentlich vorgestellt wurde.
Der Entwurf der BurgnarrenlarveDas erste Burgnarren-Häs
1962
Erster Auftritt beim Cannstatter Kübelesmarkt
Am 25. Januar 1962 nahm die Narrenzunft erstmals mit vier neuen Narrenkleidern und dem Elferrat am Cannstatter Kübelesmarkt teil.